Cloud-Kriege: Chancen bei Amazon, Google, Microsoft?

Der diesjährige Umbruch in der Tech-Branche könnte erhebliche Chancen für Investitionen in Cloud-Infrastruktur-Giganten bieten, die von einem fulminanten Wachstum profitieren, das durch die rasche Cloud-Einführung und solide Bilanzen begünstigt wird. Könnte der Ausverkauf an den Märkten die Perspektiven der Anleger verdüstern?

Die jüngsten Gewinnmeldungen und die aktuellen Bewertungen lassen einen optimistischen Ausblick zu.

Die Cloud-Infrastruktur besteht aus allen Hardware- und Softwarekomponenten, die für die Bereitstellung von Cloud-Diensten für Kunden benötigt werden. Sie ist flexibel und skalierbar und damit ideal für die Datenverarbeitung in Unternehmen. Sie bietet eine attraktive Investitionsrendite mit niedrigeren Infrastruktur- und Speicherkosten, Flexibilität, Skalierbarkeit und Sicherheitsmaßnahmen zur Abwehr von Cyberangriffen.

Sie machen fast 50 % aller weltweit gespeicherten Daten aus. Und da Daten bei den säkularen Trends der Zukunft wie KI und Automatisierung sowie Echtzeitanalysen für Industrie-, Gesundheits- oder Verbraucherzwecke eine zentrale Rolle spielen, ist die Cloud-Infrastruktur der Schlüssel zum Hosten und Verarbeiten der Daten.

Giganten der Cloud-Infrastruktur haben gut etablierte Cloud-Geschäfte entwickelt, die 2021 zusammen einen Umsatz von 178 Mrd. USD erwirtschaften werden. Der "hartnäckige" säkulare Trend der Cloud-Nutzung treibt das Wachstum weiter an und bietet möglicherweise einzigartige Investitionsmöglichkeiten. Daten der Synergy Research Group zeigen, dass die Ausgaben von Unternehmen für Cloud-Infrastrukturdienste im ersten Quartal um 34 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen sind - das elfte Mal in zwölf Quartalen, dass das Wachstum im Jahresvergleich zwischen 34 und 40 % liegt.

Wer sind die wichtigsten Anbieter von Cloud-Infrastrukturen?

Amazon (AWS) führt mit 33 % Marktanteil, gefolgt von Microsoft Cloud mit 22 % und Google Cloud mit 10 %, die zusammen 65 % des Marktes ausmachen.

 

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Quelle: Synergy Research Group, Daten von Q1, 2022.

Amazon Web Services: In Q1 wuchs der Gigant das dritte Quartal in Folge schneller als der Rest des Marktes. Sein Marktanteil bleibt konstant.

Microsoft Cloud: Der Marktanteil wuchs um etwa 2 % pro Jahr.

Google Cloud: Der Marktanteil wuchs um etwa 1 % pro Jahr.

 

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Quelle: Synergy Research Group.

Die überragenden Wachstumsraten der drei Tech-Giganten von 35-50 % pro Jahr sind nach wie vor ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal und führen dazu, dass sie ihren Marktanteil ausbauen. Andere Marktteilnehmer haben ihre Einnahmen weiter gesteigert, allerdings mit einer langsameren Wachstumsrate von etwa 10-20 %.

Momentaufnahme der Q1-Ergebnisse

AWS zeigte im ersten Quartal eine solide Kundendynamik mit Cloud-Einführungen in vielen wichtigen Branchen. Das Unternehmen konnte neue Kunden wie T-Systems, Verizon Connect, Telefonica und Boeing gewinnen und kündigte neue Partnerschaften mit der Datenbankplattform MongoDB und anderen an.

Im ersten Quartal wuchs AWS im Vergleich zum Vorjahr um 37 % und erzielte einen Umsatz von 18,4 Mrd. USD. Das Betriebsergebnis beläuft sich auf 6,5 Mrd. USD, ein Plus von 57 % im Vergleich zum Vorjahr.

Der Microsoft-Cloud-Umsatz stieg um 32 % auf 23,4 Mrd. USD, angeführt von Azure und anderen Cloud-Diensten, die um 46 % wuchsen, angetrieben durch das Wachstum bei verbrauchsbasierten Diensten. Das Betriebsergebnis stieg um 29 %. Das Unternehmen hob das starke Kundenengagement für die Cloud-Plattform und die robuste Vertriebsausführung bei kommerziellen Buchungen hervor.

Der Umsatz von Google Cloud stieg im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um erstaunliche 44 % auf 5,8 Mrd. USD. Das Segment Google Cloud umfasst i. Google Cloud Platform (GCP), die Infrastruktur, Plattform und andere Dienste umfasst, sowie ii. Google Workplace, und iii. andere Unternehmensdienste. Im März schloss das Unternehmen eine Vereinbarung zur Übernahme von Mandiant, einem führenden Unternehmen im Bereich der Cyberabwehr, im Rahmen einer Transaktion im Wert von 5,4 Milliarden USD.

Das Wachstum wurde von GCP getragen und durch Infrastruktur- und Plattformdienste angekurbelt. Der vierteljährliche Betriebsverlust verringerte sich um 43 Mio. USD auf 931 Mio. USD, da die Ausgaben gestiegen sind.

Das Cloud-Wachstum ist zwar spektakulär, aber die wiederkehrenden Verluste und die geringe Größe des Cloud-Geschäfts im Vergleich zu allen anderen Geschäftsbereichen von Alphabet sprechen nicht für eine Investition in Alphabet allein auf der Grundlage des Cloud-Potenzials.

Makroökonomischer Gegenwind wie steigende Kosten und insbesondere Löhne, Gegenwind aus dem Devisenmarkt und steigende Kreditkosten könnten das Wachstum in den kommenden Quartalen beeinträchtigen. Es bleibt abzuwarten, aber eine Verlangsamung des Wachstums im Cloud-Bereich könnte den drei Giganten auch Chancen bieten.

Die Ergebnisse von Salesforce zeigten ein positives Bild für die Cloud und erwähnten, dass es keine "wesentlichen Auswirkungen" gebe. In ähnlicher Weise zeigten die Ergebnisse der Oracle Corp. diese Woche, dass ihr Cloud-Infrastrukturgeschäft in eine "Hyperwachstumsphase" eingetreten ist, die dem Unternehmen ein "stellares Umsatzwachstum in den nächsten Quartalen" bescheren könnte.

Die Ergebnisse des 2. Quartals Ende Juli und Anfang August dürften mehr Aufschluss über den Stand der Nachfrage nach Cloud-Infrastruktur geben.

Überzeugende Bewertungen

Auf dem Tiefpunkt im März 2020 boten die Cloud-Giganten "unübersehbare" Chancen. Im heutigen Umfeld deuten die stabilen Erträge auf einen soliden Ausblick hin, selbst wenn sich das Wachstum verlangsamt.

Aber wie stark sind die Bewertungen gesunken?

 

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Es ist vielleicht noch zu früh, um das zu sagen, da es von einer möglichen zukünftigen Gewinnrevision abhängt, aber die Bewertungsmultiplikatoren sind insgesamt deutlich gesunken. Bei Amazon werden die Daten durch den einmaligen Verlust aus der Rivian-Beteiligung im letzten Quartal beeinflusst.

Ungewissheit herrscht nach wie vor in Bezug auf die Nicht-Cloud-Geschäfte dieser Giganten, die von einer sich abschwächenden Konjunktur und schrumpfenden Budgets stärker betroffen sein könnten. Positiv zu vermerken ist, dass der Rückschlag am Aktienmarkt auch die M&A-Aktivitäten beschleunigen könnte, wie etwa die jüngste Übernahme von VMware, einem Multi-Cloud-Service für alle Anwendungen, durch Broadcom für 61 Mrd. USD in bar.

Schlussfolgerung

Der starke Rückenwind durch das Cloud-Wachstum in Verbindung mit einer deutlichen Korrektur an den Märkten hat die Bewertungsmultiplikatoren gedrückt. Den drei Cloud-Giganten ist es gelungen, die meisten Marktanteile im Bereich der Cloud-Infrastruktur zu erobern, und sie verfügen über riesige Bilanzen. Die schwierigere Wirtschaftslage könnte ihnen einen zusätzlichen Vorteil verschaffen, um Marktanteile zu erobern oder Konkurrenten zu schnappen, um ihr Cloud-Geschäft zu festigen.

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