Könnte Big Tech einen Aufschwung erleben?

Im Januar dieses Jahres erlebten die Big-Tech-Aktien ihren größten Kursrückgang seit März 2020. Angesichts der Ungewissheit in Bezug auf den Straffungszyklus der Fed, Probleme mit der Lieferkette und den Krieg in der Ukraine haben die Anleger davor zurückgeschreckt, "die Delle zu kaufen". Bleibt Big Tech auf der Strafbank oder ist es bereit für eine Rallye?

Big Tech hat sicherlich von der zunehmenden Abhängigkeit der Welt von der Digitalisierung nach der Pandemie profitiert, aber seither sind Sorgen aufgekommen, wobei die Straffung der Zentralbanken und das Ende der staatlichen Anreize die größten sind. Steigende Rohstoffpreise, höhere Transportkosten und größere Probleme in der Lieferkette, die durch den Krieg in der Ukraine noch verstärkt wurden, stellen Big Tech vor weitere Herausforderungen.

Hinzu kommt, dass sich das regulatorische Umfeld schnell weiterentwickelt und die Geschäftsmodelle ständig angepasst werden müssen, um erfolgreich zu bleiben. So büßte die Aktie von Meta Platforms im Februar 40 % ihres Wertes ein, da die Anleger befürchteten, dass Änderungen bei der Verfolgung von Apple IOS-Nutzern die Fähigkeit von Meta, von gezielter Werbung zu profitieren, erheblich beeinträchtigen könnten. Die Ausgaben von Meta in Höhe von 10 Mrd. USD für unerprobte Metaverse-Geschäfte setzten die Aktie ebenfalls unter Druck.

Ertragskalender

In den nächsten Wochen werden vor allem die Ergebnisse von Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet, Tesla und Meta erwartet, die zusammen 45 % des technologielastigen Nasdaq 100 und 24 % des S&P500 ausmachen.

 

calendar tech

Von FOMO bis Panik

Die Schlagzeilen an den Aktienmärkten haben sich von der Diskussion über die immensen Wachstumsaussichten von Cloud Computing, Gaming, Werbung, Halbleitern, Elektrofahrzeugen, Big Data und KI und anderen wachstumsstarken Technologiebereichen hin zur Besessenheit über die Inflation und die restriktiven Erwartungen der Federal Reserve entwickelt.

Das hohe Wachstumspotenzial der Technologie wird auf kürzere Sicht ignoriert, da die Anleger die Auswirkungen der steigenden Kosten auf die Gewinnspannen der Unternehmen und die höheren Geldkosten auf die Aktienbewertungen abwägen. Künftige Cashflows in 5 oder 10 Jahren sind weniger wert, wenn die Kreditkosten näher bei 3 % liegen, als wenn die langfristigen Kreditkosten bei 1 % liegen.

Der Markt hat die Erwartung von Zinserhöhungen stark erhöht, wie der steile Anstieg der Renditen der 2-jährigen US-Schatzanweisungen seit Jahresbeginn zeigt.

 

2-year 19.04.2022

Die Fed hat ihren Leitzins im vergangenen Monat um 0,25 % auf 0,50 % angehoben. Aus den im letzten Monat veröffentlichten Prognosen der Fed ging hervor, dass die politischen Entscheidungsträger mit einem Anstieg der Zinssätze auf 1,9 % rechnen. Die aktuellen Zinsterminkontrakte gehen derzeit von einem Leitzinsbereich von 2,5 % bis 2,75 % zum Jahresende aus.

Hinzu kommt, dass die Anleger mit dem Plan der Fed konfrontiert sind, ihre Bilanz schrittweise zu reduzieren, was die Märkte unter Druck setzen könnte, da sie Liquidität abzieht.

Das Bild könnte sich jedoch aufhellen, wenn die Inflationserwartungen im Laufe des Jahres zurückgehen und die Fed-Beamten weniger besorgt über die Notwendigkeit sind, die Zinssätze zu erhöhen, um höhere Preise zu bekämpfen.

Die Kräfte, die Big Tech nach oben treiben könnten

Abgesehen von der kurzfristigen Ungewissheit durch den Krieg und die Abriegelungen in China gibt es mehrere Faktoren, die für Big-Tech-Investoren eine positive Überraschung darstellen könnten.

Die großen Tech-Giganten haben Interesse an Aktiensplits gezeigt, was die Stimmung anheizen und den Aktienkurs stützen könnte, wenn wir uns dem Datum des Aktiensplits nähern. Aktiensplits dürften das Interesse von Kleinanlegern wecken, da sie den Zugang zu einzelnen Big-Tech-Aktien erleichtern.

Amazon: Der E-Commerce- und Cloud-Riese kündigte einen Aktiensplit im Verhältnis 1:20 an, der Anfang Juni in Kraft treten soll. Der Aktienkurs wird von rund 3'000 USD auf 150 USD pro Aktie fallen.

Alphabet: Der Werbe- und Cloud-Riese kündigte einen Aktiensplit im Verhältnis 1:20 an, der am 15. Juli in Kraft treten soll. Der Aktiensplit wird den Aktienkurs von etwa 2'600 USD auf 130 USD senken.

Tesla: Ende März gab der Elektroautohersteller seine Absicht bekannt, seine Aktien zum zweiten Mal nach August 2020 zu splitten. Weitere Informationen sollten auf der nächsten Aktionärsversammlung, die in der Regel im Juni stattfindet, bekannt gegeben werden.

 

Seit 2018 hat Apple durch Aktienrückkäufe die Anzahl seiner Aktien um 19 % reduziert, Alphabet um 9 %, Microsoft um 3 % und Meta um 1 %. Diese Rekordrückkäufe werden sich fortsetzen, da die Gewinne und der Cashflow wachsen. Fusions- und Akquisitionsbestrebungen könnten ebenfalls als Katalysator dienen, wenn die Tech-Giganten Kandidaten finden, die Synergieeffekte bieten könnten. So kündigte Microsoft im Januar an, dass es den Spielegiganten Activision Blizzard für 68,7 Mrd. USD in bar übernehmen will. Wenn das Geschäft zustande kommt, wird Activision der Microsoft Corp. einen Nettogewinn von mehr als 2,5 Mrd. USD pro Jahr bescheren.

Darüber hinaus ist die Positionierung der Anleger, wie die Fondsströme des Invesco QQQ Trust (der den Nasdaq 100 abbildet) zeigen, angesichts der schlechten Marktstimmung in diesem Jahr bescheiden.

 

funds flow QQQ

 

Die Marktstimmung ist nach wie vor extrem schlecht. Die Erträge könnten das Bild im Nebel der Unsicherheit aufhellen. Die Anleger werden nach Hinweisen darauf suchen, wie sich das derzeitige Umfeld auf Wachstum und Margen auswirkt.

Sentiment 19.04-1

 

Das technische Bild zeigt, dass der Nasdaq100 seit Jahresbeginn konsolidiert und höhere Tiefststände erreicht hat, was ein positiver Momentumfaktor ist. Es ist jedoch wichtig, dass der Index über seinen Tiefstständen vom März bleibt. Sollte der gleitende 200-Tage-Durchschnitt (15'140) überwunden werden, könnte dies als positives Signal gewertet werden. Der Relative-Stärke-Index (RSI) deutet immer noch darauf hin, dass der Nasdaq100 leicht überverkauft ist und noch Spielraum nach oben hat.

 

NDX technicals

 

Betrachtet man den Nasdaq100 seit Ende 2018, so wird er immer noch zu anspruchsvollen Bewertungen gehandelt, auch wenn sich seither viel geändert hat, da der High-PE-Titel Tesla einen bedeutenden Teil des Indexes ausmacht. Die Anleger sollten konstruktiv sein, da die Bewertungen gegenüber ihren Höchstständen deutlich gesunken sind.

 

NDX PE

Schlussfolgerung

Das Jonglieren mit einer strafferen Geldpolitik der Zentralbanken und erheblichem makroökonomischem Gegenwind könnte eine signifikante Erholung kurzfristig erschweren, da die Anleger möglicherweise nicht bereit sind, ihre Risikowetten zu erhöhen oder für höhere KGVs zu zahlen. Nichtsdestotrotz dürfte sich das Bild der Inflation und der Lieferkette verbessern, und die Erträge dürften sich als widerstandsfähig erweisen. In einem Szenario, in dem das Ertragswachstum stark bleibt, sollten wir eine holprige Rallye nicht ausschließen, wenn die Märkte eine Mauer der Besorgnis erklimmen, wobei die qualitativ hochwertigsten Vermögenswerte zuerst anziehen.

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