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Wie kommt es, dass es dem DAX so gut geht?

Während Deutschland am Rande einer winterlichen Energiekrise und einer möglichen Rezession steht, ist es erstaunlich, dass sich der Leitindex des Landes, der DAX 40, so gut hält.

Zeigt der Index relative Stärke im Hinblick auf den nächsten Anstieg der Weltmärkte oder ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Anleger die harte Realität erkennen, mit der die deutsche Wirtschaft konfrontiert ist?

Was hat funktioniert?

Obwohl der Index im letzten Quartal rückläufig war, hielten sich die Aktien auf Einzeltitelebene gut. Mit der größten Gewichtung war Siemens (SIE) trotz des moderaten Kursrückgangs ein Bremsklotz. Allianz (ALV) verzeichnete prozentual den größten Rückgang, während BASF (BAS) und E.ON (EOAN) ebenfalls stark nachgaben. Merck (MRK) gehörte dagegen zu den größten Gewinnern, ebenso wie die Deutsche Telekom (DTE) und Beiersdorf (BEI).

 

Der Reiz der geringen Volatilität

Es gab zwar nur wenige bemerkenswerte Gewinne, aber ebenso viele große Verluste. In einer Zeit massiv erhöhter Unsicherheit hat sich der DAX 40 als eine Art sicherer Hafen für Aktienanleger erwiesen.

Der DAX verzeichnete im März starke Rückgänge, als in der Ukraine aufgrund der Energieabhängigkeit von Russland, das mit schweren Sanktionen belegt wurde, ein Krieg ausbrach. Im Juni kam es jedoch zu einem erfolgreichen Test der März-Tiefs, während der S&P 500 aufeinanderfolgende Rückgänge verzeichnete.

Vergleicht man die Performance des DAX 40 mit der des S&P 500, so fällt auf, dass der DAX während der Post-COVID-Rallye 2020 und 2021 deutlich weniger zulegte, aber auch während des Rückgangs 2022 weniger zurückfiel.

Die Anleger fühlten sich in diesem Jahr zu Aktien mit geringer Volatilität hingezogen und mieden Aktien mit hoher Volatilität, insbesondere Wachstumsaktien und Aktien aus dem Technologiesektor.

Der Wechsel von Wachstum zu Value kam der relativen Performance des DAX 40 und anderer europäischer Indizes zugute, die eine höhere Gewichtung der traditionellen Industrie im Vergleich zur Technologie in den USA aufweisen. Technologiewerte erlebten in der Zeit niedriger Zinsen und niedriger Inflation einen regelrechten Boom, wurden jedoch überrollt, als die Inflation die Höchststände des Jahrzehnts erreichte und die Zentralbanken sich beeilten, die Zinsen entsprechend zu erhöhen. Während sich der Zinserhöhungszyklus fortsetzt, dürfte der DAX weiterhin von der Dynamik des Wachstums in Richtung Wert profitieren.

Wechselkurseffekte

Internationale Investoren können es sich nicht leisten, die Wechselkurseffekte bei ihren Investitionen zu ignorieren - und in diesem Jahr war Europa gegenüber den USA klar im Vorteil. Der US-Dollar hat gegenüber dem Euro im Jahr 2022 um mehr als 10 % zugelegt, wodurch europäische Exporte relativ billiger werden und auch der Wert der von europäischen Unternehmen im Ausland erzielten Gewinne steigt, wenn sie in abgewertete Euros umgerechnet werden.

Mit Blick auf die Zukunft fragen sich die Anleger, ob die US-Notenbank kurz davor steht, die Zinserhöhungen aufzugeben, da die Inflation in den USA einen Höchststand erreicht hat und dem Land eine Rezession droht. Wenn dies der Fall wäre, würden einige der positiven Währungseffekte in Europa wegfallen, was den DAX belasten könnte. Im Moment scheint die Fed ihren Kurs beizubehalten. Wenn der Dollar weiter steigt, könnten europäische Aktien weiterhin relativ attraktiver erscheinen.

Der andere Oszillationsfaktor ist die Politik der EZB. Die Europäische Zentralbank hat die Zinssätze trotz der galoppierenden Inflation nur ein einziges Mal angehoben. Dies lässt sich zum Teil durch die Ausweitung der Rendite-Spreads in Europa erklären. Der Spread zwischen Deutschland und Italien erreichte kürzlich 2,5 %, den höchsten Stand seit der Panik von 2020. Die höheren Zinssätze der EZB schaden den peripheren und höher verschuldeten Volkswirtschaften unverhältnismäßig stark. Die EZB erwartet, dass sich die Inflation abschwächt. Wenn die Treibstoffkosten jedoch hoch bleiben und die Inflation hoch halten, könnte die Zentralbank gezwungen sein, die Zinsen aggressiver anzuheben, was den Euro in die Höhe treiben und den geldpolitischen Vorteil europäischer Aktien in diesem Prozess wieder aufheben könnte.

Achtung

Im Moment ist die größte Unbekannte die selbst zugefügte Wunde einer Energiekrise in Deutschland und Europa. Das für Ende des Jahres geplante vollständige Verbot von russischem Öl und Gas bei bereits geringen Vorräten infolge der Sanktionen könnte die europäische Wirtschaft lähmen und eine Rezession auslösen. Auch die Politik der "Energierationierung", die einige europäische Regierungen bereits angedroht haben, könnte dem Vertrauen der Anleger und Verbraucher so kurz nach der Covid-Pandemie einen weiteren schweren Schlag versetzen.

Technisch

DAX 40 - Weekly Candles

Source: FlowBank / TradingView

 

Der DAX 40 erreichte seinen Höchststand bei 16.000 und durchbrach die Nackenlinie eines abgerundeten Hochs bei 15.000. Seitdem hat der Index einen unvollständigen Doppelboden bei 12.500 gebildet, der auch das 50%-Retracement der ATH-Rallye vom März 2020 ist.

Die Zone 13.500-800, die von den beiden ehemaligen Pre-Covid-Hochs gebildet wird, ist nun ein kritischer Pivot. Wenn der Preis unter diesem Bereich liegt, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass er auf neue Jahrestiefststände fällt - vielleicht bis zum 61,8%-Retracement bei etwa 11.500. Wenn er über dem Pivot liegt, scheinen die Preise eher auf einen Rückprall in Richtung 15.000 und höher zu tendieren.

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