Gold & Silber Ausblick: Ein Rezessionssignal & Zufluchtsflüsse

Es war ein volatiler Monat für die Gold- und Silberpreise, der durch die Zuflüsse von Zufluchtsorten, die Zinserhöhung der US-Notenbank und mögliche Angebotsunterbrechungen nach oben und unten getrieben wurde. Was kommt als Nächstes?

Die jüngste Erholung der Risikostimmung hat zu einer Umkehr der Zufluchtsströme geführt, und der Goldpreis hat um fast 10 % korrigiert. Bei den Silberpreisen war eine ähnliche Entwicklung zu beobachten. Sie gerieten unter starken Verkaufsdruck, da die Risikoströme wieder zunahmen.

 

Gold und Silber - 4 Monate

Source: TradingView / FlowBank

 

Bestes Quartal für Gold seit fast 2 Jahren

Nach der Nachricht vom Einmarsch Russlands in die Ukraine am 24. Februarth sorgten die Zuflüsse von Zufluchtsorten für einen sprunghaften Anstieg des Goldpreises, so dass der Markt Anfang März fast neue Rekordstände erreichte. Die Rallye zog auch die Silberpreise in die Höhe, wobei der Kassakurs XAG/USD den höchsten Stand seit August 2021 erreichte, als sich die Risikostimmung verschlechterte.

 

Risikostimmung verbessert sich aufgrund von Waffenstillstandshoffnungen

Der Grund für die veränderte Risikobereitschaft liegt vor allem in der veränderten Sichtweise auf den Konflikt in der Ukraine. Nachdem es Russland nicht gelungen ist, die Kontrolle über das Land zu erlangen, und die Invasion seit über einem Monat andauert, haben die Anleger nun die Hoffnung, dass ein Waffenstillstand oder ein Friedensabkommen geschlossen werden kann.

Russland hat diese Woche angekündigt, seine Militäroperationen in der Nähe von Kiew und Charkiw als Zeichen des guten Willens drastisch zu reduzieren, um das Vertrauen in die Gespräche zu stärken. Da die Verhandlungen in die richtige Richtung gehen, dürften die Metallpreise weiterhin unter Druck bleiben, während die Risikoanlagen weiter steigen.

 

Falscher Ausblick der Fed belastet Gold und Silber

Abgesehen von den geopolitischen Faktoren, die sich auf den Metallmarkt auswirken, wurden Gold und Silber auch durch einen deutlich aggressiveren Kurswechsel der Fed nach unten gedrückt. Auf der FOMC-Sitzung im März hob die Zentralbank ihre Zinsprognosen für das kommende Jahr und das nächste Jahr deutlich an. Im Anschluss an diese Sitzung hat sich der Fed-Vorsitzende Powell sogar eindeutig ablehnend geäußert und davor gewarnt, dass die Fed bereit sei, die Zinssätze schneller als üblich anzuheben, um die steigende Inflation abzukühlen.

Angesichts des Umschwungs im März stellt sich nun die Frage, wohin sich Gold und Silber in den kommenden Monaten entwickeln werden. Handelt es sich bei dem aktuellen Rückschlag bei den Metallen lediglich um eine Korrektur oder um den Beginn einer umfassenderen Trendwende nach unten?

 

Deutet die Renditekurve auf eine US-Rezession hin

Was die Einschätzung der wahrscheinlichen Entwicklung der Metalle in den kommenden Monaten angeht, so ist eine wichtige Entwicklung die Abflachung und nunmehrige Inversion der US-Renditekurve. Der 5s10s-Spread und dann der 2s10s-Spread haben sich nun invertiert. Eine solche Entwicklung ist immer im Vorfeld einer Rezession in den USA zu beobachten, auch wenn dem Signal nicht immer eine Rezession folgt. Um es ganz offen zu sagen: Es kann ein falsches Signal sein.
Wenn die Anleger dieses Signal ernst nehmen, dürfte vor allem der Goldpreis in den kommenden Monaten anziehen, da die Anleger Schutz in "sichereren" Anlagen als Wertaufbewahrungsmittel suchen.
In diesem Fall bedeutet die Abflachung und Umkehrung der Renditekurve jedoch nicht unbedingt, dass eine Rezession bevorsteht. Der Grund dafür ist, dass der Anleihemarkt durch die Senkung der Zinssätze durch die Federal Reserve stark verzerrt wurde. Die Fed wird nun die kurzfristigen Zinssätze nach oben treiben, um sich nach dem seismischen Wechsel in der Politik im Zusammenhang mit der Pandemie neu zu kalibrieren. Die langfristigen Renditen steigen ebenfalls, nur nicht in demselben Tempo, da sie nicht so stark von kurzfristigen Änderungen der Geldpolitik betroffen sind.

 

Renditeschwankungen sind nicht zwangsläufig ein Zeichen für eine Rezession

Die Fed hat erklärt, dass sie ihre längerfristigen Schulden so lange halten wird, bis die kurzfristigen Zinssätze auf ein effektives Niveau angehoben worden sind. Vor diesem Hintergrund kann man die derzeitige Abflachung der Renditekurve so betrachten, dass der Markt die geldpolitische Botschaft der Fed annimmt.

Alternativ dazu könnte der Markt Powells Falschheit misstrauisch gegenüberstehen, da er davon ausgeht, dass sie sich längerfristig auf die Beschäftigung und das Wachstum auswirken wird, auch wenn dies nicht unbedingt eine Rezession bedeutet.

 

Ausblick Edelmetalle

Da die Zinssätze in den USA im weiteren Verlauf des Jahres deutlich steigen werden, dürften die Aussichten für Gold und Silber eher nach unten gerichtet sein. In Anbetracht der Tatsache, dass die Friedensgespräche zwischen Russland und der Ukraine jetzt im Mittelpunkt stehen, wird es immer wahrscheinlicher, dass eine Einigung erzielt wird. Eine solche Ankündigung würde die Risikostimmung deutlich anheizen und den Goldpreis weiter unter Abwärtsdruck setzen, während die Zuflüsse aus sicheren Häfen nachlassen.

 

Source: TradingView / FlowBank

 

Betrachtet man das langfristige Diagramm für Gold, so sehen wir aus technischer Sicht möglicherweise eine Doppel-Top-Formation, die eine bärische Sichtweise für die kommenden Monate oder sogar Jahre noch verstärkt. Diese Perspektive wird noch verstärkt durch das enorme Volumen, das wir beim letzten Höchststand des Goldes gesehen haben, was auf eine Kapitulation bei den Höchstständen hindeutet.

 

Gold/Silber-Verhältnis deutet auf niedrigere Silberpreise hin

Das Gold-Silber-Verhältnis liegt derzeit um die 78er-Marke, nachdem es sich von Tiefstständen um die 63er-Marke nach oben bewegt hat, aber unter dem 200-Wochen-Durchschnitt von 82. In Zeiten, in denen das Gold-Silber-Verhältnis ansteigt, tendiert der Goldpreis nach oben.

 

Source: TradingView / FlowBank

 

Vorsicht vor den Risiken auf der Oberseite

Auch wenn das Basisszenario davon ausgeht, dass die Metalle in den kommenden Monaten nachgeben werden, da sich die Risikostimmung weiter erholt und die US-Notenbank die Zinsen weiter strafft, sollten die Aufwärtsrisiken nicht außer Acht gelassen werden.

Sollten die Friedensgespräche zwischen Russland und der Ukraine scheitern oder sollte es zu einer erneuten Eskalation der Gewalt kommen, würde dies zweifellos die Risikostimmung stark belasten und Gold und Silber in die Höhe treiben.

Ebenso ist die seit Jahrzehnten hohe Inflation ein Grund zur Sorge, dass die umgekehrte Renditekurve diesmal eine Rezession vorhersagt, was eine natürliche Unterstützung für den Goldpreis darstellen dürfte. Wenn sich das Wachstum verlangsamt und eine Rezession wahrscheinlicher wird, würden wir starke Zuflüsse für Gold erwarten, die auch den Silberpreis in die Höhe treiben.

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