Weitere Schocks für Russland-gebundene Rohstoffe?

Die russische Invasion in der Ukraine, die nun schon die vierte Woche andauert, steht im Mittelpunkt des Interesses der Händler.


Russland ist ein wichtiger Lieferant von Öl, Erdgas, Kohle, Nickel und Aluminium, und die Ukraine ist ein bedeutender Getreideproduzent und -exporteur.

Weizen und Nickel steigen aufgrund von Versorgungsängsten stark an

Bei den Rohstoffen kam es zu beispiellosen Bewegungen. Die Gewalt hat sowohl in Russland als auch in der Ukraine zu erheblichen Versorgungsproblemen geführt. In der Ukraine wegen der direkten Auswirkungen des Konflikts auf Produktion und Ernten und in Russland wegen der vom Westen verhängten Sanktionen.

 

Source: TradingView / FlowBank

Der Wert von Nickel, dessen Anteil an der Weltproduktion fast 10 % beträgt, hat sich am Tag der Invasion mehr als verdoppelt, je nachdem, welche Börse man betrachtet. An der LME wurde der Handel mit Nickel-Terminkontrakten aufgrund des dramatischen Preisanstiegs, der erhebliche Auswirkungen auf die globalen Lieferketten hatte, ausgesetzt.

Auch bei Weizen, der zu etwa 30 % aus Russland und der Ukraine stammt, kam es zunächst zu enormen Kurssteigerungen (+60 %), bevor es zu einer drastischen Umkehr kam, da die Regierungen weltweit auf strategische Reserven zurückgriffen.

Rohstoffe als riskante Anlage

Die Nachricht von der Invasion, die am 24. Februar bekannt wurde, löste eine seismische Verschiebung in allen Anlagekategorien aus, die im Großen und Ganzen von einer weit verbreiteten Risikoaversion begleitet wurde. In der ersten Reaktion fielen neben Aktien und risikobehafteten Währungen auch die Rohstoffe. Gleichzeitig wurden sichere Anlagen wie Gold, JPY, USD und Anleihen inmitten einer breiten Flucht in Qualität deutlich höher gehandelt.

Während Rohstoffe in der Regel im Einklang mit Risikotrends gehandelt werden, durchbrachen einige Rohstoffe ihre Korrelationen aufgrund der direkten Auswirkungen des Krieges auf das Angebot.

Wie werden sich die Märkte weiter entwickeln?

Nachdem die anfängliche Reaktion auf die Invasion vorbei ist und sich der Konflikt fast einen Monat lang hinzieht, lautet die große Frage für die Händler nun, wie es mit den Märkten weitergeht.

 

Szenario 1: Waffenstillstand/Friedensabkommen

Ein Schlüsselthema, das wir bisher in dem Konflikt beobachten konnten, ist die Erholung von Risikoanlagen und der Rückgang der besonders betroffenen Rohstoffe, wenn es Anzeichen dafür gibt, dass der russische Angriff ins Stocken gerät oder die Hoffnung auf einen Waffenstillstand aufkeimt.
Beamte beider Seiten haben parallel zur Gewalt Friedensgespräche geführt, die zunächst ergebnislos zu sein schienen, doch in letzter Zeit haben beide Seiten die Hoffnung geäußert, dass eine Lösung gefunden werden kann.
Wenn also ein Waffenstillstand vereinbart werden kann, werden die Märkte wahrscheinlich mit einer soliden Erholung bei den Risikopapieren und einem Rückschlag bei den sicheren Anlagen reagieren. Diese Reaktion wird sich wahrscheinlich noch verstärken, wenn eine dauerhaftere Lösung, wie ein Abkommen oder ein vollständiger Friedensvertrag, zustande kommt.
Für Weizen und Nickel würde ein solches Szenario wahrscheinlich einen Preisrückgang bedeuten, da die Händler mit geringeren Versorgungsproblemen rechnen. Es könnte sein, dass das Rohstoffangebot aus diesen beiden Ländern nie wieder das Vorkriegsniveau erreicht, was höhere Preise als vor dem Krieg zur Folge hätte. Angesichts des enormen Aufbaus spekulativer Positionen könnten
jedoch Nachschussforderungen zu Panikverkäufen und einer vollständigen Umkehrung der jahreszeitlichen Gewinne führen.

 

Szenario 2: Die Gespräche werden fortgesetzt, der Krieg zieht sich hin

Die zweite Komponente, der man sich hier bewusst sein muss, ist der Zeitpunkt. Je länger sich der Konflikt hinzieht, desto höher ist das Risiko einer Eskalation seitens Russlands und desto größer der Tribut für die Weltwirtschaft. Wenn sich die Gespräche in die Länge ziehen, werden die Händler wahrscheinlich skeptisch, ob eine Einigung zustande kommt, weil sie Schlimmeres von Russland befürchten.

In diesem Szenario werden die Risikopapiere nachgeben, während Weizen und Nickel aufgrund der Schwere der aktuellen Bewegungen wahrscheinlich hoch bleiben werden. Ein
ausgedehnter Krieg und Unterbrechungen der Versorgungskette sind wohl bereits eingepreist, aber in diesem Szenario gäbe es für die Rohstoffbären wenig Grund, in großer Zahl aufzutreten.

 

Szenario 3: Russland erobert die Ukraine

Die letzte Situation, die wir in Betracht ziehen sollten und die im Moment das äußerste Szenario zu sein scheint, ist, dass die Gewalt zunimmt und Russland die Ukraine einnimmt. Wenn dieses Szenario eintritt, wird die unmittelbare Auswirkung stark risikoabwertend sein, wobei die Dynamik mit viel größerer Geschwindigkeit erfolgt. In diesem Szenario sind die globalen Auswirkungen nur schwer abzuschätzen, aber das Risiko eines Konflikts zwischen Russland und dem Westen wird mit Sicherheit größer.

Es besteht kaum eine Chance, dass die Rohstoffversorgung zwischen Russland und der Ukraine auch nur annähernd an die Vorkriegszeit herankommt. Weizen und Nickel könnten in einem solchen Fall zu neuen Höchstständen ausbrechen.

Erwartetes Ergebnis

Im Großen und Ganzen scheint sich der Konflikt auf eine Lösung zuzubewegen, wenngleich der Zeitpunkt schwer abzuschätzen ist. In Anbetracht dessen können wir eine breite, wenn auch möglicherweise allmähliche Umkehr der jüngsten Marktbewegungen erwarten, wenn sich die Preise der wichtigsten Rohstoffe normalisieren.

Entscheidend wird jedoch sein, was die "neue Normalität" für Russland und die Ukraine sein wird und wie schnell die Sanktionen aufgehoben und die Beziehungen wiederhergestellt werden (wenn überhaupt).

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